Fotografiekunst von Janina Gardzielewska


Im Juli 1926 ist in Wiêcbork Janina Czarnecka, Tochter von Alojzy Czarnecki und Jadwiga Ryterska, zur Welt gekommen. Den Angaben nach wurde Janina Gardzielewska in einer Entwicklungsschale geboren, aber heute ist dies schwer zu überprüfen.

Schon der Großvater W³adys³aw, ein vielseitiger Mensch - Maler, Architekt, Bildhauer und Organist in einer Person, beschäftigte sich mit Fotografie. Vier seine Söhne: Alojzy, Leon, Witold und Zbigniew arbeiteten in der Familienfirma in Poznan (Posen). Alojzy nahm seine eigene Werkstatt in Wiêcbork in Betrieb. Mit der Zeit machte sich auch Leon selbstständig und eröffnete eine Werkstatt in Mys³owice. Er spezialisierte sich in Porträtfotografie. Witold beschäftigte sich mit Handwerkfotografie, er zeigte jedoch auch Konstrukteurbegabung. Die von ihm konstruierte Maschine zum Kopieren von Postkarten machte ein großes Aufsehen auf der Allgemeinen Landesausstellung in Poznan 1929. Lange Jahre war er Rangälterer der Fotografenzeche in Poznañ und Vorsitzender des Examensausschusses - ähnlich wie Alojzy in Toruñ, und Leon in Mys³owice. Zbigniew übernahm nach dem Tode des Vaters die Firma, ihn interessierte am meisten Fotografie von Denkmälern und Kunstwerken. Er war akademischer Lehrer im Bereich der Dokumentarfotografie. W³adys³aw Czarnecki hatte noch zwei Töchter, die, vielleicht nicht unmittelbar, aber doch die Familienbeziehung zur Fotografie fortsetzten. Kazimiera heiratete Karol Wilak, einen großen Liebhaber der Naturfotografie, ins besondere in der Tatra. Sohn der anderen Tochter ist Janusz Korpal - bekannter Poznaner Fotograf, Autor von künstlerischen Touristikplakaten. Alojzy Czarnecki hatte vier Kinder, von denen zwei sich auch mit Fotografie beschäftigten - Tochter Janina und Sohn W³adys³aw. Bei den Großeltern von Janina Gardzielewska angefangen, beschäftigten sich in der Familie 12 Personen mit Fotografie. Drei von ihnen wurden zu Mitgliedern des Vereins der Polnischen Fotografiekünstler - Alojzy Czarnecki, Janina Gardzielewska und Janusz Korpal.

Alojzy Czarnecki interessierte sich für Astronomie, spielte gut Flügel, hatte einen verrückten Sinn für Humor. Er war gesellschaftslustig, was zur Folge hatte, dass er einen breiten Freundeskreis hatte. Eine große Rolle spielte diesbezüglich sein Atelier, durch das alle aus dem Kreis der örtlichen Schöpfer der Wissenschaft und Kultur zogen, aber nicht ausschließlich diejenigen. Wenn nur eine interessante Persönlichkeit von „außen“ in Toruñ erschien oder sich nur dort auf dem Weg aufhielt, wurde sie sofort zum Studio eingeladen. Die Tochter Janina half dem Vater, so lernte sie ungewollt Künstler, Musiker, Literaten, Wissenschaftler kennen. Die Bekannten des Vaters wurden zu ihren Bekannten. Alojzy Czarnecki starb am 23. Dezember 1980.

Zygfryd Gardzielewski fotografierte selbst eher nicht. In der Besetzungszeit hatte er eine Kamera und machte Familienfotos. Er verband sich jedoch mit Fotografie auf vielerlei andere Weisen. Während des Krieges beschäftigte er sich mit Retusche von Fotos in der Firma von A. Czarnecki, dank dieser Tatsache entging er dem Befehl, zu Zwangsarbeiten geschickt zu werden. Da die Tochter Janina dem Vater half, arbeiteten sie Arm in Arm. Am siebten August 1948 fand die Hochzeit von Janina und Zygfryd statt.

Ein wesentliches Thema der Fotografie von Janina Gardzielewska ist Architektur, besonders die gotische, daher sagt sie oft, dass sie in keiner anderen Stadt als Toruñ wohnen könnte. Sie begeistert sich für die Epoche, in der Kopernikus lebte, für deren Kunst. Die gotische Architektur kann sie ohne Ende fotografieren. Die Wände der Ziegelbauten sind eine so schöne Faktur wie Gobelin. Rhythmen, Verhältnisse, Körper bilden eine unwiederholbare Stimmung. Die Autorin wählt meistens diese Stücke, die den Rohzustand und Schmucklosigkeit betonen, also das, was für die Gotik der Stadt Toruñ am meisten prägend ist. Für die Künstlerin ist es die Architektur der Wahrheit, anders als Barock, den sie mit Schaum, Ball, Windbeutel assoziiert.

Vielmalig erforschte sie Toruñ aus Fenstern der Privatwohnungen, aus Kirchentürmen, von Dächern, auf die sie unter Aufsicht von Schornsteinfegern kletterte. Sie verewigte die Landschaft von Toruñ von Weichselkais, Panoramen, Straßen und Plätzen, bis zu denkmalerischen Bauten, Bürgerhäuschen, Seitengassen, Toren, Details. Als Effekt sind einige Ausstellungen zu nennen u. a. „Œladami Kopernika w Polsce“ („Auf den Spuren Kopernikus in Polen“) (1972), oder „Gotyk toruñski“ (Thorner Gotik) (1973) und nach einem Pleinair „750 lat Torunia“ (750 Jahre Toruñ) (1983). Der Schönheit der Stadt war auch die Veröffentlichung „Toruñ epoki Kopernika“ (Toruñ der Epoche Kopernikus) von Bohdan Rymaszewski, illustriert mit Fotografien von Janina Gardzielewska, gewidmet.

Gegenstände zu fotografieren, bereitet ihr eine große Freude. Sie beschäftigte sich mit Fotos für Museumskataloge. Es waren nicht nur Dokumente, sondern echte stille Leben, mit Licht, Präsentationsweise belebt. In den Fotogrammen, die die Bücher Maria Ziêtara-Malewskas „Warmien, mein liebes Warmien“ und „Brennende Sträucher an der Oder“ illustrieren, befinden sich viele Beispiele des volkstümlichen Handwerks. Verschiedenartige Holzwerkzeuge, Lehmkrüge, Spielzeuge, Stoffe, Teile der Volkstrachten.

Ein bedeutendes Kapitel des Werks Janina Gardzielewskas ist die Theaterfotografie. In den dreißiger Jahren und gleich nach dem Kriege machte Alojzy Czarnecki die Fotos in dem Thorner Theater. Ende der vierziger Jahre übernahm seine Pflichten die Tochter. Sie arbeitete an Theatern von Toruñ, Bydgoszcz, Grudzi¹dz. Sie erinnert sich: „das Theater hat mir die Hauptangelegenheit beigebracht, und nämlich das Behalten von Kompositionsordnung in jedem Fotogramm. Alle meine Fotos, auch diese „Nicht-Theaterfotos“, werden inszeniert. Um Theater wahrhaftig zu fotografieren, muss man es lieben, geduldig sein, sich in das Stück einhören, das man häufig auch auswendig kennt. Das Theater bedeutet Kontakt zu Schauspielern, Regisseuren, Bühnenbildern, technischen Mitarbeitern. 1977 war die Ausstellung „Gesichter des Theaters“ eine Ernte ihrer Theatererfahrungen.

Dieser Teil des Werks ist so zu sagen die Entwicklung der Tradition des Kinoneorealismus, der über den Ausdruck der Situation an sich das Leben seiner Figuren charakterisieren will. Dessen Inhalt sind Menschen von der Wiege bis ins hohe Alter. Konflikte des Jugend- und reifen Lebens, Liebe, Zwiespalt, Berührung, Nachdenklichkeit. Janina Gardzielewska wendet in ihrer Arbeit Posieren und detaillierte Regie des Vorder- und Hintergrunds an, dazu kommt noch eine große technische Präzision. Sie schafft Fotos - Symbole, die ewige Wahrheiten, Überlegungen und Berührungen in der poetischen und reflexiven Form übermitteln. Die Tatsache, dass sie die Fotografie inszeniert, verarbeitet, gibt die Möglichkeit des Selbstausdrucks, der Übermittlung dessen, was traditionellerweise der Malerei zugeschrieben wird. Trotzdem bleiben ihre Arbeiten immer ein Zeugnis des bestimmten Augenblicks aus dem Leben der existierenden Person.

Janina Gardzielewska griff verschiedene Themen auf. Sie fotografierte Landschaft, Agrarausstellungen, Kinder, beschäftigte sich mit Werbungsfotografie und Fotomontage. Sie ist Profi, ist Handwerker im besten Sinne dieses Wortes. Überraschend sind breite Interessen und Zusammensetzungen der einzelnen Fotos, Montagen, Verbindung der Architektur mit Grafiken von Dürer usw. Gefragt nach ihren Meistern antwortet sie, dass sie ihrer Zeit impressionistische Kompositionen von Leonard Misson bewunderte. Einen riesengroßen Eindruck machten auf sie die Arbeiten der Gruppe „Magnum“, es gefallen ihr die Fotografien von Pawe³ Pierœciñski, Edward Hartwig. Für Janina Gardzielewska muss den Autor in der Fotografie, wie in jedem Bereich der Kunst, etwas angehen, begeistern, reizen, überraschen. Von dem Medium selbst sagt sie, dass es uns Sensibilität beibringt. Fotografie muss engagiert sein und sie muss auch den Empfänger emotional engagieren. Wenn sie diese Bedingungen nicht erfüllt, so ist sie tot.

Sie bekleidete verschiedene Ämter in der Zentralen Verwaltung des Vereins der Polnischen Fotografiekünstler. Drei Amtszeiten lang war sie Präsidentin des Thorner-Bromberger Kreises des Vereins der Polnischen Fotografiekünstler, war auch Sekretärin des Thorner Fotografievereins. Zu ihrer Amtszeit entstand Kleine Galerie der Fotografie in der Podmurna-Straße in Toruñ. Früher führte sie die Fotografiegalerie „Prezentacje“ (Präsentationen) in dem ehemaligen Klub ZMS „Iskra“.



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Unterlagen des Soziallebens
Leiter: Dr. Anna Supruniuk
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Gabe von Janina Gardzielewska (Auswahl von Fotografien).


Janina Czarnecka (später Gardzielewska), 1930. Janina Czarnecka (später Gardzielewska), 1939.
Janina Czarnecka (später Gardzielewska) 1930.... und 1939.


Janina Czarnecka (später Gardzielewska), 1944. Zygfryd Gardzielewski, 1943.
Janina Czarnecka (Gardzielewska), 1944.Zygfryd Gardzielewski, 1943.


Janina Czarnecka und Zygfryd Gardzielewski, 1944
Janina Czarnecka und Zygfryd Gardzielewski, 1944.



Zjazd rodzinny w Zbicznie, lata 60-te. Zygfryd Gardzielewski na Mazurach, lata 60-te.
Familientreffen in Zbiczno, 60er Jahre. Zygfryd Gardzielewski
auf der Masurschen Seeplatte,
60er Jahre des 20. Jhs.


Janina Gardzielewska. 1960 r.
Janina Gardzielewska. 1960. Eröffnung des Hauses Nikolaus Kopernikus, Toruñ 1960.