Adam Półtawski

Adam Jerzy Półtawski (1881–1952), Drucker, Buchgrafiker und Illustrator, Buchstabenentwerfer, Bibliophil. In den Jahren 1901–1912 studierte er im In- und Ausland. Von 1912 bis 1922 (mit einer Pause in den Jahren 1914–1919) war er Grafikleiter in den Zakłady Graficzne B. Wierzbicki i S-ka (Grafikwerke) in Warszawa (Warschau), von 1927 bis 1930 technischer Leiter in der Druckerei von Z. Łazarski in Warszawa.

Nach aktiver Arbeit im Druckwesen kam er am Ende seines Lebens als technischer und grafischer Leiter (1945-1949) zur Druckerei „Jedność“ in Kielce zurück. Er war ungewöhnlich kreativ und erfreute sich einer großen Anerkennung als Grafiker und Holzschnitzer. Er entwarf viele schöne Drucke, Firmenzeichen und Verlagszeichen, erste polnische Geldscheine, Briefmarken und bibliophile Veröffentlichungen, Sätze von Zeitschriften und Nutzvordrucken wie auch Anzeigen. Er hat einen riesengroßen Einfluss auf die Buchornamentik, sowohl als Grafiker und Entwerfer, als auch als grafischer Leiter in den erwähnten Druckereien genommen, und vor allem als Vortragender an Schulen der poligrafischen Industrie.

Seit 1901 blieb er im nahen Kontakt zu Z. Przesmycki, mit dem er den grafischen Satz der „Pisma zebrane“ (Gesammelte Schriften) von Cyprian Norwid (1908–1911) bearbeitete. In die Zeitchrift „Chimera“ setzte er in den Jahren 1902 und 1907 seine ersten grafischen Arbeiten unter dem Pseudonym N.S. Aus der Druckerei von Łazarski kamen in der Auflage von 395 Exemplaren „Sonety krymskie“ („Krimsonette“) von Mickiewicz im grafischen Satz von Półtawski, und 1925 bei J. Cotty „Unia Horodelska“ (Union von Horodło), das Półtawski eine goldene Medaille bei der Ausstellung der Dekorationskunst in Paris brachte. Seit 1930 arbeitete er an dem grafischen Satz der Sejm-Ausgabe der „Dzieła wszystkie“ („Alle Werke“) von Mickiewicz.

Er war ebenfalls Autor von 39 Exlibrisen, die mit verschiedenen Techniken erzeugt wurden: mit farbigem Kreideschnitt, Lithografie, Aquaforta, vernis mou (weichem Firnis), Kupferstich und Holzschnitt. 1948 wurde in der Druckerei „Jedność“ in Kielce die Arbeit von T. Leszner und Adam Półtawski „Exlibrisy w drzeworytach“ („Exlibrise in Holzschnitten“) ausgegeben, die grafisch von Półtawski bearbeitet und mit seiner Antiqua gesetzt wurde. Bei inländischen und internationalen Ausstellungen und Wettbewerben erhielt Półtawski erste Preise und ehrenvolle Auszeichnungen, u. a. bei der Internationalen Buchausstellung in Florenz 1922, Internationalen Ausstellung des Schönen Buches in Paris 1931, Internationalen Ausstellung der Holzschnitte 1933 und 1936, bei Wettbewerben für Exlibrise (1910, 1912, 1913, 1930), für Wappen (1921) des Vereins der Polnischen Bibliophilen in Warszawa.

Ein großes Verdienst von Półtawski war die Erschaffung der ersten polnischen Lettern, Antykwa Półtawskiego, deren Zeichnungen er 1928 beendete. Die Typen wurden in der Warschauer Schriftgießerei von J. Idźkowski 1931 hergestellt und lange in dem polnischen Druckwesen angewendet. Półtawski bearbeitete auch andere polnische Lettern, die er Mediewal Polski benannte, und zu denen die Zeichnungen nach vieljährigem Studium und vielen Versuchen (ohne Kursive) 1952 zu Ende gebracht wurden. Diese Schrift fand bisher keine Ausführung.

Półtawski widmete der pädagogischen Tätigkeit viel Mühe. In den Jahren 1922–1939 war er Lehrer für Fächer aus dem Bereich der Grafik und Drucktechnik an der Wyższa Szkoła Dziennikarska (Hochschule für Journalismus) in Warszawa. Von 1926 bis 1944 hielt er Vorträge an der Szkoła Przemysłu Graficznego (Schule der Grafikindustrie) in Warszawa. In den Jahren 1923/24 und 1932–1939 Vorträge der Grafik und Fächer aus dem Bereich der Polygrafik an der Salezjańska Szkoła Rzemiosła (Salezjańska-Handwerkschule) in Warszawa, und in den Jahren 1933–1939 war er Leiter der Doświadczalna Pracownia Graficzna (Experimentelle Grafikwerkstatt), die an derselben Schule gemeinsam mit S. Ostoja–Chrostowski geführt wurde. In dieser Werkstatt wurden zu dieser Zeit viele schöne Drucke entworfen und ausgeführt. 1926/27 und 1931–1935 unterrichtete Półtawski Grafik an der Publiczna Dokształcająca Szkoła Graficzna (Öffentlichen Weiterbildenden Grafikschule) in Warszawa. In der Zeit 1928–1932 leitete er Vorlesungen auf dem Gebiet der grafischen Techniken und des Druckwesens an den Buchhändlerkursen bei der Wolna Wszechnica Polska (Freien Polnischen Hochschule). Seit 1930 redigierte er mit F. Siedlecki und T. Gronowski „Grafika“, Organ Związku Polskich Artystów Grafików (Organ des Vereins der Polnischen Grafikkünstler) in Warszawa. Er beteiligte sich aktiv an den gesellschaftlichen und organisatorischen Arbeiten sowohl in künstlerischen und kulturellen Milieus, wie auch in den mit Druckwesen, Buch und Bibliophilie verbundenen Organisationen (1938 wurde er Ehrenmitglied des Vereins der polnischen Bibliophilen).

  • J. Muszkowski: Antykwa polska Adama Półtawskiego. (Die polnische Antiqua von Adam Półtawski) „Grafika“ 1931 Nr. 6
  • S. Garstecki: Polskie czcionki Adama Półtawskiego. (Die polnischen Drucktypen von Adam Półtawski) „Zeszyty Prasoznawcze“ 1960 Nr. 213.
  • R. Tomaszewski: Polskie czcionki i matryce. Od Unglera do Półtawskiego. (Polnische Drucktypen und Matrizen. Von Unglert bis Półtawski) „Poligrafika“ 1963 Nr. 7, 8. 1963 Nr. 7, 8.
  • F. Pieczątkowski: Adam Półtawski. „Litera“ 1966 Nr. 8.

    Aus: Aleksander Birkenmajer, Bronisław Kocowski, Jan Trzynadlowski, Redakteure. Encyklopedia wiedzy o książce. (Enzyklopädie des Buchwissens) Zakład Narodowy im. Ossolinskich, Wrocław, Warszawa, Kraków, 1971.

    banknot

    100 polnische Mark ­ der erste Geldschein nach dem Errungen der Unabhängigkeit, entworfen von A. J. Półtawski, gedruckt unter dem Zeichen der Polnischen Grafikwerke ­ in der Druckerei von Wierzbicki.

    exlib-ap

    Segelschiff, 1933, Holzschnitt.

    exlib-ap

    Exlibris 1943.